16.06.10

"Warum lebst du hier in Finnland und gehst nicht zurück zu deiner Familie nach Deutschland? Du kannst zurück gehen. In deinem Land gibt es keinen Krieg. Ich würde sofort zurück gehen, wenn kein Krieg im Iran wäre." Diese Frage stellte mir ein Kurde, aus meiner Klasse, der aus Kurdistan kommt und in Finnland lebt als aufgenommener Flüchtling. In meiner Verwirrtheit habe ich geantwortet, wegen meinen Kindern. Ich mag zum Beispiel, dass alle Kinder unterschiedlichster Herkunft in die selbe Schule gehen können von der 1. bis zur 9. Klasse. Aber ist das wirklich der Grund?
Es ist schwierig sich zwischen zwei Ländern zu entscheiden, wenn man die Wahl selber treffen kann und auch wenn beide Teile der Eltern aus einem Land kommen. Ich vermisse natürlich meine Familie. Wenn die dunklen Tage beginnen im November und es kalt und ungemütlich draußen wird. Oder im Sommer, wenn die Zeit ruhiger wird und die Kinder Ferien haben, dann denke ich oft an zu Hause, an die warmen Abende auf dem Balkon - auf ein Gespräch. Und für die Kinder fehlt natürlich der Kontakt zu den Großeltern, zum größeren Familienleben mit Besuchen, Gesprächen, Geburtstagsfeiern, Cousinen.
Aber warum bleiben?
Auch wenn die Sehnsucht da ist nach Deutschland zurück zu gehen, so leben wir jetzt doch schon 3 Jahre hier, die nicht einfach so vorüber gezogen sind.
Ich mag gerade diese Sprache zu lernen. Finnisch ist so kompliziert logisch, dass es mich herausfordert ohne das ich das Interesse daran verliere. Und das ich das Interesse an etwas verliere, kann schon mal vorkommen.
In dem Finn-Kurs kommen viele unterschiedliche Länder zusammen. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit in die Klasse. Es ist so interessant für mich den Stolz auf ihr eigenes Land kennen zulernen. Gerade Stolz sein auf Deutschland, dass ist ein Gefühl das mir fremd ist.
Wir sollten einmal in einer Historie-Stunde die Nationalhymne von unserem Land singen. Zwei in unserer Klasse hatten sich getraut zu singen, die anderen haben wegen schlechter Singstimme abgelehnt. Und ich wusste den Text nicht. Dafür hatte die Lehrerin die Deutschlandhymne gesungen. Wie peinlich für mich. Sie meinte, die Nationalhymne von seinem Land zu kennen, wäre eine Art Liebe zu seinem Land. Irgendwie hat sie Recht damit.
Deutschland ist ein so freies offenes Land und was gestern war ist heute schon anders. Es wandelt sich schnell, ist Schnelllebig. Immer muss man sich neu entscheiden, gerade das Thema Kinder ist ein großer Topf. Zum Beispiel den richtigen Kindergartenplatz finden oder welchen Schulweg die Kinder mal gehen sollen oder Papierwindeln - Stoffwindeln oder ... Und für jedes Pro und Kontra gibt es einen Vertreter in der Öffentlichkeit, so das man immer zwei Meinungen findet. Es ist ein Land in dem die Entscheidung einen deffiniert wer man ist. In Deutschland wusste ich nicht wer ich bin. In Finnland beginne ich mich zu finden.
Im Moment möchte ich Deutschland lieber noch von aussen betrachten. Ich möchte es in mir finden. Aber damit ist die Frage nach dem Wohin in der Zukunft, noch nicht beantwortet. Wir haben mal wieder um ein Jahr verlängert.

1 Kommentar:

  1. Man sagt man muss erstmal etwas verlieren um seinen Wert wirklich zu finden. Ich finde man sollte aus dem Land was man liebt oder eventuell nicht versteht gehen und es von aussen beobachten um sich selbst zu finden. Eventuell merkt man das man die Seele des Landes nicht findet oder man verliebt sich neu.
    Dies sind erfahrungen die wir machen muessen ansonnsten werden wir uns Ungluecklich jeden Tag fragen "Was waere Wenn??"

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